31. Mai 2016

Andrej Hunko erneut in den Parteivorstand gewählt



Von Darius Dunker

Mit einem guten Ergebnis ist der Aachener Politiker Andrej Hunko am Wochenende erneut in den Bundesvorstand der Partei DIE LINKE gewählt worden. Hunko erreichte als einer von fünf männlichen Kandidaten für den erweiterten Vorstand bereits im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit. Bei seiner Vorstellungsrede hatte er sich für einen „empathischen, aufklärerischen, linken Populismus“ als Antwort auf den besorgniserregenden Zuspruch für Parteien am rechten Rand ausgesprochen. Erfreut ist der Bundestagsabgeordnete aus Aachen auch über die Wahl der übrigen Vorstandsmitglieder, bei denen verstärkt Personen gewählt wurden, die für ein klares Bekenntnis zu den kapitalismuskritischen und friedenspolitischen Grundsätzen der Partei stehen. Mit den wesentlichen politischen Beschlüssen des Parteitags habe DIE LINKE klargestellt, dass sie ihre Überzeugungen nicht für irgendwelche Koalitionsgedankenspiele über Bord werfen wird.

Informationsblockade der Dortmunder Polizei spielt Nazis in die Hände


Von DIE LINKE. NRW

Am 4. Juni wollen Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet in Dortmund den selbsternannten „Tag der deutschen Zukunft“ begehen. Die Dortmunder Polizei verweigert allerdings jegliche Information darüber, wo genau der Marsch der Nazis stattfinden wird.

„Diese Informationsblockade spielt den Nazis in die Hände, denn sie können sich offenbar darauf verlassen, dass die Polizei ihre Demonstration von Protesten gänzlich abschirmt,“ so Azad Tarhan, Sprecher für antifaschistische Politik der Partei Die Linke in NRW. Eine solch enge Kooperation zwischen Nazis und der Polizei sei unüblich und gerade in Dortmund, wo es eine aktive Nazi-Szene gäbe, eine Schande für die Demokratie.

„Normalerweise sind die Routen der Nazis frühzeitig bekannt, sodass Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten ihr demokratisches Recht auf Protest in Hör- und Sichtweite ausüben können. Dieses Recht wird ihnen durch die Dortmunder Polizei bisher verwehrt.“ Begründet werde dies vom Polizeipräsidenten durch die angebliche Gefahrenlage, die von den Protesten ausgehe.

Tarhan weiter: „Polizeipräsident Lange verdreht hier wissentlich die Tatsachen. Nicht von den Menschen, die gegen Nazis demonstrieren geht Gefahr aus, sondern von den Neofaschisten und Rassisten, die sich Dortmunds Straßen bemächtigen wollen. Gerade in Deutschland ist es die Pflicht Aller, sich lautstark gegen Nazis und den grassierenden Rassismus zu Wort zu melden. Wir Linke sind daher solidarisch mit allen, die dies am 4. Juni tun, ob durch Demonstrationen oder Blockadeversuche. Wenn Lange diesen legitimen Protest mit seiner Informationsblockade weiter untergräbt, macht er sich mitschuldig an der unwidersprochenen Verbreitung rassistischen Gedankenguts.“ Es sei absurd, aber durch Langes unkooperatives Verhalten werde die Polizei, die im Grunde für öffentliche Sicherheit und Ordnung sorgen soll, zum Vollstreckungsgehilfen für gewaltbereite Nazis, so Tarhan abschließend.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat der Dortmunder Polizeibehörde in einem aktuellen Urteil attestiert, bereits 2010 mit einer unbelegten "Gefahrenprognose" rechtswidrig eine antifaschistische Demonstration gegen einen Naziaufmarsch verhindert zu haben. Das darf sich am Samstag nicht wiederholen. Der Dortmunder Polizeibehörde liegt mindestens eine Anmeldung für eine Kundgebung gegen den Nazi-Aufmarsch am 4.6. vor, die in Ruf- und Sichtweise der Naziroute stattfinden soll. Die Linke NRW fordert Polizeipräsident Lange auf, den Anmeldern dieser Demonstration und der Öffentlichkeit unverzüglich mitzuteilen, wo die Nazis demonstrieren werden.

scharf-links.de

Atomumschlagfirma nimmt Strafantrag gegen Umweltaktivist*innen zurück


Von atomkraft.nirgendwo

Im August 2014 inspizierten ca. 30 Atomkraftgegner*innen unangekündigt das Gelände der Firma C. Steinweg, die regelmäßig an Atomtransporten im Hamburger Hafen beteiligt ist. Das Uranerzkonzentrat welches C. Steinweg umschlägt, wird vom Schiff auf Güterzüge umgeladen und über mehrere deutsche Städte nach Narbonne in Süd-Frankreich in die Konversionsanlage transportiert. Das umgeschlagene Urankonzentrat wird in mehreren Verarbeitungsstufen zu Brennelementen zur Versorgung von Atomanlagen weltweit verarbeitet.

Auf dem Gelände befanden sich am Tattag 51 Urancontainer aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan. Unregelmäßigkeiten bei der Lagerung und beim Transport der atomaren Fracht sowie Falschangaben des Hamburger Senats wurden durch die Aktion öffentlich gemacht. Vor Gericht standen aber nicht die für diese Vertuschungen Verantwortlichen, sondern die Aktivist*innen. Sie mussten sich auf Grund eines Strafantrages der Betreiberin vom Süd-West-Terminal C. Steinweg vor Gericht verantworten. Zahlreiche Menschen bekundeten ihre Solidarität und beschwerten sich mit Protestbriefen bei C. Steinweg.

Vor Gericht zeigten sich die Angeklagten kämpferisch. Der Prozess gegen Johannes, einen der angeklagten Aktivisten, der im Dezember 2015 begann, wurde am 4. März, dem 6. Verhandlungstag, überraschend durch die vorsitzende Richterin Weber ausgesetzt. Grund hierfür war ein Befangenheitsantrag des Angeklagten. Die unangemessene und seiner Ansicht nach fehlerhafte Verhandlungsführung der Richterin begründe den Verdacht der Voreingenommenheit, so der Angeklagte. Die Richterin erklärte daraufhin, der Prozess würde vor einem neuen Richter neu beginnen.

Daraus wurde nichts mehr. Die Verfahren gegen die Inspekteur*innen wurden stattdessen nach und nach auf Grund eines Verfahrenshindernisses eingestellt. C. Steinweg hat seinen Strafantrag zurück genommen. Was das Unternehmen nach nunmehr fast zwei Jahren Verfahrensdauer dazu bewogen hat, ist nicht bekannt.

„ Es hat sich gelohnt, auf den gerichtlichen Streit einzugehen. Die Aktion und der anschließende Prozess haben Vertuschungen seitens des Hamburger Senats zur Tage gefordert. Unterlagen in der Akte bestätigen die wissentliche Lüge des Hamburger Senats bei der Beantwortung einer kleinen Anfrage.“ Erklärt Johannes. „C. Steinweg konnte schließlich dazu bewegt werden, den Strafantrag zurückzunehmen.“

Die Inspektionsaktion war eine von mehreren Aktionen gegen Atomtransporte im Hamburger Hafen. Gerichtsprozesse gegen weitere Aktivist*innen stehen noch an. Der Widerstand geht sowohl im Gerichtssaal als auch im Hafen weiter. Die Aktionen haben für Aufmerksamkeit gesorgt, es gibt jedoch noch viel zu tun, bis die Entwidmung des Hamburger Hafens für Atomtransporte Realität wird. Die Regierungskoalition hält sich nicht einmal an das schwache Versprechen aus dem Koalitionsvertrag. Die Koalition hat angekündigt, auf eine Selbstverpflichtung der Hamburger Hafenbetriebe hinzuwirken. Daraus ist bislang nichts geworden. Weder nutzte sie ihren Einfluss in stadteigene Betriebe wie die HHLA, noch führte sie Gespräche mit Atomumschlagfirmen wie C. Steinweg oder Reedereien wie die MACS durch.

Am heutigen Tage verlässt erneut ein Atomzug das Süd-West-Terminal von C. Steinweg mit über 20 mit Uranerzkonzentrat beladenen Containern. Das Uran kommt aus Namibia und ist mit dem Atomfrachter der Hamburger Reederei MACS „Golden Karoo“ am vergangenen Donnerstag nach Hamburg gekommen.

Hintergrundinformationen:

http://www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/

http://www.urantransport.de/

http://nirgendwo.info/hamburg/

scharf-links.de

Hermes-Paket nur mit deutschem Personalausweis!

Von C. Martins Colaço

Am heutigen Morgen wendete ich mich gegen 8.50 Uhr an eine Aral Tankstelle (Harburger Str. 74, 29223 Celle, Niedersachsen) um ein zugestelltes Paket von Hermes abzuholen. Als ich meinen Personalausweis der Mitarbeiterin Frau H. zeigte wurde mir sofort die Aushändigung des Pakets verweigert mit der Begründung dass dies nur mit einem deutschen Personalausweis möglich wäre (es habe vorhergehend Missbräuche in diesem Rahmen gegeben) und da mein Personalausweis aus Portugal (EU) sei, würde keine Möglichkeit für mich bestehen. Auf meinem Versuch dies zu klären, zeigte sich die Mitarbeiterin aktiv diskriminierend indem sie wiederholt den deutschen Personalausweis als einzig mögliche Voraussetzung betonte. In diesem Zusammenhang wurde die Vorgesetze Frau L-M. zur Aufklärung der Situation gerufen und leider zeigte sich auch diese wenig kooperativ indem sie dieselbe Argumentation benutzte. Nach wiederholten erfolglosen Versuchen meinerseits (vorzeigen meines Führerscheins, der Bank- oder Gesundheitsversichertenkarte), bat ich um einen Kontakt zum Hermes Service und kündigte ggf. rechtliche Konsequenzen an. Frau L-M. führte ein telefonisches Gespräch mit dem Zusteller um ca. 9Uhr. Es resultierte eine wiederwillige Entschuldigung und sie reichte mir endlich das Paket.
Frau H. zeigte weiter eine wenig positive Einstellung und verweigerte mit mir das Gespräch, machte mir Vorwürfe anstatt den Fehler für ihr inkorrektes Verhalten einzusehen.
Die Vorgesetzte wollte sich nicht über das Verhalten ihrer Mitarbeiterin äußern.

Diese kurze Szene zeigt für mich den Kern des Problems der aktuellen Fremdenfeindlichkeit (bei doch leider vielen Menschen) in der bürgerlichen deutschen Gesellschaft. Anstatt differenziert den Menschen (unabhängig seiner Herkunftskultur) zu betrachten werden dumpf negative Stereotype angeführt und mit vagen Ängsten begründet.

Es stimmt mich traurig, dass im Land meiner Geburt in dem meine Eltern drei Jahrzehnte als Arbeiter tätig waren nicht mehr möglich ist.

C. Martins Colaço
scharf-links.de

Der bittere Beigeschmack der Schokolade – Wie der Klimawandel die Kakao-Produktion zerstört

Von Nico Beckert

Weltweit sind Millionen Kakaobauern von den Folgen des Klimawandels betroffen. Mitunter haben sich ihre Ernten halbiert, wodurch die Einkommen der oft an der Armutsgrenze lebenden Familien noch geringer ausfallen. Aufgrund der geringen Einkommensperspektive kehren immer mehr junge Menschen dem Kakao-Anbau den Rücken und ziehen in die Städte. Die Schokoladen-Industrie ist sich dieses Problems bewusst. Sie fürchtet ein abnehmendes Angebot des Rohstoffs Kakao und investiert eine Milliarde US-Dollar, um die Kleinbauer zu unterstützen. Doch wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, werden Millionen Kakaobauern ihrer Einkommensquelle verlieren.



Lebensgrundlage von Millionen Familien gefährdet

Ob in Ghana, der Elfenbeinküste, Indonesien oder Ecuador, überall kämpfen Kakaobauern mit den Folgen des Klimawandels. In einigen Regionen ist es die Hitze, die den Ertrag schmälert, in anderen Regionen sorgen verstärkte Regenfälle für eine Abnahme der Fruchtbarkeit der Böden. In wiederum anderen Regionen sind es Krankheiten und Pilze, die vom veränderten Klima profitieren und die Kakaopflanzen angreifen. Für Ghana und die Elfenbeinküste ist das ein immenses Problem. Millionen Bauern sind auf ein Einkommen aus dem Kakao-Anbau angewiesen. Schon 2030 werden einige Anbauregionen aufgrund des Klimawandels nicht mehr für den Kakao-Anbau nutzbar sein. Im Jahr 2050, wenn die Durchschnittstemperatur aller Voraussicht nach um circa 2 Grad angestiegen sein wird, werden große Teile Westafrikas zu heiß für den Kakao-Anbau sein.

Schokoladen-Industrie investiert eine Milliarde US-Dollar – andere setzen auf Fair-Trade

Wie ernst das Problem ist, zeigt sich an der Reaktion internationaler Schokoladen-Produzenten. Im Jahr 2014 schlossen sich zehn große Unternehmen zusammen, um den abnehmenden Erträgen der Kakaobauern durch technische Gegenmaßnahmen zu begegnen. So sollen Anbaumethoden verbessert und Bewässerungssysteme finanziert werden. Auch wird die Erforschung einer genetisch verbesserten Kakao-Pflanze diskutiert, die auch unter extremen Wetterbedingungen gedeihen würde.

Andere Hersteller setzen auf die faire Produktion des Kakaos und eine faire Entlohnung der Kakaobauern. Sie hoffen darauf, dass ein höherer Kilo-Preis für Kakao die durch den Klimawandel abnehmenden Erträge der Bauern abfangen kann.

Klimawandel wird diese Investitionen zunichte machen

Doch ExpertenInnen sind sich einig, dass diese Gegenmaßnahmen nur kurzfristig helfen. So heißt es in einem Artikel des Wall Street Journals, dass die Schokoladen-Industrie zwar immer mehr Geld in das System pumpen könne und die Anbaumethoden immer weiter verbessern könne, am Ende werde ein ungebremster Klimawandel jedoch alle Bemühungen zunichte machen.

Auch genetisch veränderte Kakao-Pflanzen bergen Gefahren. Das Schicksal der indischen Baumwoll-Bauern ist ein mahnendes Beispiel. Ihre neuen, genetisch veränderten Pflanzen funktionieren nur mit einem speziellen Dünger. Diesen Dünger konnten sich Millionen Bauern nicht dauerhaft leisten. Sie gerieten in einen Strudel aus Schulden und Zinszahlungen. Schätzungsweise 200.000 Bauern waren so verzweifelt, dass sie Gift nahmen. Die Suizidrate unter indischen Bauern stieg nach der Einführung genetisch veränderter Pflanzen stark an.

Ebenso ist der Umstieg auf fair gehandelte Produkte keine langfristige Lösung. Wenn die Bauern durch den Klimawandel weniger ernten, dann müssten die Preise für fairen Kakao schon immens steigen, um den geringeren Flächenertrag aufzufangen. Sollten die Erträge schneller fallen als der faire Lohn steigt, dann stehen auch die fair produzierenden Bauern am Ende mit weniger Einkommen da.

Klimawandel: Nicht die Kakaobauern fahren SUV oder urlauben in Thailand

Doch es sind weder die ghanaischen Kakaobauern, die mit einem SUV durch ihr Dorf fahren, noch ivorische Bauern, die nach Thailand in den Urlaub fliegen. Den Klimawandel, der sie mittelfristig um ihre Lebensgrundlage bringt, haben andere verursacht. Beispielsweise wir EuropäerInnen. Würden alle Menschen so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir 2,6 Planeten. Das heißt: Der durchschnittliche Deutsche konsumiert 2,6 mal mehr „Rohstoffe“ (saubere Luft, Wasser, Erdöl, Mineralien) als das Ökosystem Erde aushält. Oder noch konkreter: Der durchschnittliche Deutsche konsumiert also so viele Rohstoffe wie für fast 3 Menschen (2,6) ausreichen müssten.

Wenn uns kein Umlenken gelingt, wenn es uns nicht gelingt, weniger zu konsumieren und/oder mit den verfügbaren Ressourcen nachhaltiger umzugehen, dann zerstören wir die Lebensgrundlage von hunderten Millionen Kleinbauern und ihren Familien. Und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sich zumindest ein Teil dieser Menschen auch auf den Weg macht und anderswo eine bessere Zukunft sucht.

https://zebralogs.wordpress.com/2016/05/12/der-bittere-beigeschmack-der-schokolade-wie-der-klimawandel-die-kakao-produktion-zerstoert/
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Hersteller müssen Bisphenol-haltige Spezialpapiere vom Markt nehmen. Risiken zu groß

Von BUND

Verbot des Hormongifts Bisphenol A nicht weiter verzögern. Hersteller von Thermopapieren zum Rückruf belasteter Produkte und freiwilligem Ersatz der Chemikalie aufgefordert

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Hersteller von Thermopapieren zum Rückruf Bisphenol-haltiger Produkte und zum freiwilligen Ersatz der riskanten Chemikalie aufgefordert. Die u.a. von den deutschen Firmen Koehler-Group und Kanzan, aber auch von der japanischen Mitsubishi-Konzerngruppe hergestellten Spezialpapiere für Kassenbons, Eintritts- und Fahrkarten, Kofferetiketten oder Automaten-Tickets gefährdeten die Gesundheit der Verbraucher, teilte der Umweltschutzverband zu Beginn der weltgrößten Messe der Druckindustrie (Drupa 2016) in Düsseldorf mit.

In vom BUND veranlassten Stichproben von Kassenbons, Eintrittskarten und Kofferetiketten sei mehrheitlich nicht nur der hormonelle Schadstoff Bisphenol A (BPA), sondern auch das ähnlich schädliche Bisphenol S (BPS) nachgewiesen worden. Getestet wurden Kassenbons von Tankstellen, großen Drogerie- bzw. Handelsunternehmen, Kinoeintrittskarten und Kofferetiketten von Lufthansa und Air Berlin. In 14 von 19 untersuchten Proben wurde BPA oder BPS nachgewiesen. Die höchsten BPA-Werte wurden bei Kassenbons von Shell- und Aral-Tankstellen, der Drogeriekette Rossmann und bei Eintrittskarten der Kinogruppe Cinestar gemessen.

„Die Menschen kommen täglich mit zahlreichen Artikeln in Kontakt, die Bisphenole enthalten. Diese Stoffe haben in verbrauchernahen Produkten nichts zu suchen. Ein Verbot darf nicht nur BPA betreffen, es muss auch chemisch verwandte Bisphenole wie BPS umfassen. Die Hersteller von Thermopapieren sollten Bisphenol-haltige Produkte zurückrufen und vorhandene gesundheitlich unbedenkliche Alternativen sofort einsetzen“, forderte der BUND-Chemieexperte Manuel Fernández.

Bereits 2015 hatte der Risikoausschuss der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA wegen nicht beherrschbarer Gesundheitsrisiken ein Verbot von BPA in Thermopapier empfohlen. Frühestens im kommenden Juli wird der Regelungsausschuss der EU-Kommission über ein solches Verbot abstimmen.

„Die EU-Kommission geht mit der Gesundheit der Menschen fahrlässig um. Der Zeitraum zwischen dem Erkennen der Bisphenol-Gefahren und den erforderlichen Gegenmaßnahmen ist einfach zu groß. Ein Verbot von BPA und ähnlich gefährlichen Bisphenolen in Thermopapier ist längst überfällig“, so Fernández.

Negative Auswirkungen könnten hormonelle Schadstoffe bereits in sehr geringen Konzentrationen haben. „Vor allem Schwangere, die an ihren Arbeitsplätzen mit Kassenbons und anderen Bisphenol-belasteten Schriftstücken in Berührung kommen, sind inakzeptablen Risiken ausgesetzt. Besonders gefährdet sind auch Ungeborene und Kleinkinder“, sagte Fernández.

Laut europäischer Lebensmittelbehörde (EFSA) ist Thermopapier nach Lebensmitteln die zweitwichtigste BPA-Belastungsquelle für den Menschen. Der als Farbentwickler fungierende Stoff gelangt bei Hautkontakt in den Körper. Er gilt als Mitauslöser für hormonell bedingte Erkrankungen wie Hoden-, Prostata- oder Brustkrebs, für Diabetes Typ 2, Übergewicht, Immunschwächen und Lebensmittelallergien. Bei über 90 Prozent der Einwohner von Industriestaaten ist Bisphenol A im Blut und im Urin nachweisbar. Bereits 2015 hatte Frankreich Bisphenol A in allen Materialien, die Kontakt zu Lebensmitteln haben, verboten. Auf EU-Ebene wurde die Verwendung von Bisphenol A bislang nur in Babyfläschchen untersagt.



Ein Hintergrundpapier zu „Bisphenole in Thermopapier“ sowie die aktuellen Bisphenol-Tests des BUND finden Sie im Internet unter: www.bund.net/pdf/thermopapier_bisphenole
scharf-links.de

foodwatch-Marktcheck belegt: Verbraucher können Verfall der Milchpreise nicht aufhalten

Von foodwatch

Vor dem heutigen "Milchgipfel" des Bundeslandwirtschaftsministeriums hat die Verbraucherorganisation foodwatch einen Milchpreis-Marktcheck veröffentlicht, der zeigt: Konsumentinnen und Konsumenten können die derzeit niedrigen Milchpreise von gut 20 Cent pro Liter nicht über ihr Einkaufsverhalten steuern. "Auch wenn Verbraucherinnen und Verbraucher zu einer teureren Milch greifen - beim Landwirt schlägt sich das praktisch nicht nieder", sagte Sophie Unger, Campaignerin bei foodwatch.

Mit dem Marktcheck widerlegte foodwatch Bundesagrarminister Christian Schmidt. Er hatte im Vorfeld des "Milchgipfels" erklärt, auch die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten etwas tun, wenn sie nicht immer zur billigsten Milch griffen. Doch der foodwatch-Marktcheck zeigt: Ein Liter ja!-ESL-Vollmilch kostet beispielsweise aktuell bei Rewe 46 Cent, für das gleiche Produkt von "Bärenmarke" werden 1,15 Euro verlangt - das ist das 2,5-Fache. In beiden Fällen erhielten die Landwirte von den Molkereien nur rund 26 Cent (Auszahlungspreise im April).

"Es ist beim Einkaufen von Milch vollkommen intransparent, wieviel vom Verkaufspreis beim Bauern ankommt. Bei der teureren Herstellermarke zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem für Werbung und Marketing. Landwirte erhalten fast immer die gleichen, niedrigen Auszahlungspreise", sagte foodwatch-Expertin Unger. "Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher ist es unter solchen Marktbedingungen völlig vernünftig, wenn sie zur billigeren Variante greifen."

foodwatch hat die aktuellen Preise von 31 handelsüblichen Milchmarken aus dem Kühlregal (ESL-Milch) und H-Milch sowohl aus konventioneller als auch aus ökologischer Herstellung verglichen. Ihnen wurden Preise gegenübergestellt, die die Molkereien an die Bauern auszahlten.

Im Handel betrug die Preisdifferenz zwischen konventioneller Discount-Milch und einem Markenprodukt (bei ESL und bei H-Milch) zuletzt bis zu 83 Cent pro Liter (plus 180 Prozent). Die günstigste Eigenmarke kostete bei fast allen Handelsketten 0,46 Euro, das teuerste Markenprodukt lag bei 1,29 Euro. Dagegen betrug der Unterschied beim Auszahlungspreis an die Bauern maximal fünf Cent (plus 20 Prozent). Die Landwirte erhielten im April zwischen 23,7 und 28,4 Cent pro Liter konventionell erzeugter Milch. Es wird erwartet, dass im Mai noch weniger ausgezahlt wird.

Im Bio-Segment der Handelsmarken ist die Diskrepanz zwischen Verkaufspreis im Supermarkt und dem Auszahlungspreis aktuell für die Bauern weniger eklatant. Die Bio-Milchbauern erhielten in den letzten Monaten um 48 Cent pro Liter. Für Verbraucherinnen und Verbraucher kostet die Bio-Milch der Handelsmarken aktuell knapp über einem Euro. Bei Bio-Milch werden die höheren Supermarktpreise demnach eher an die Landwirte weitergereicht.

Die Milchpreiskrise geht vor allem auf ein Überangebot an Milch zurück, das die führenden Handelskonzerne mit ihrer Marktmacht ausnutzen. "Die Bundesregierung muss aufhören, Märchen zu erzählen. Der Kauf teurerer Milch im Supermarkt kann den Bauern nicht aus der Krise helfen. Es ist an Minister Schmidt, die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass die Milchbauern von ihrer Arbeit leben können", so Unger. "Es darf nicht sein, immer wieder reflexhaft die Schuld den Verbraucherinnen und Verbrauchern in die Schuhe zu schieben. Das ist einfach Käse."
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